Sportliches Umfeld2016-11-15T10:06:30+00:00

Sportliches Umfeld

Osteopathische Grundsätze in der Sportosteopathie

Der Körper als Einheit, Struktur und Funktion, die sich gegenseitig beeinflussen, sowie die Fähigkeit zur Selbstregulation sind die Eckpfeiler des osteopathischen Gedankens. Sie gelten natürlich auch für Sportler aller Leistungsklassen, auch wenn bei dieser Zielgruppe besondere Eigenschaften berücksichtigt werden müssen.

Jeder Trainer einer Mannschaft braucht bestenfalls alle seiner Spieler um zu siegen. Sitzt die Hälfte der Mannschaft im Behandlungszimmer oder auf der Bank, sind die Chancen auf einen Sieg gering.

Auch im Bereich des Breitensports ist Prävention ein wichtiges Feld, für das sich viele Sportler, die meistens nicht weniger ehrgeizig als Leistungssportler sind, nicht die nötige Zeit nehmen.

Da jede Sportart ihre speziellen Belastungsmuster hat, passt sich der Körper durch intensives, sportartspezifisches Training über Jahre hinweg entsprechend an. Dies hinterlässt Spuren. Eine Dysfunktion bzw. muskuläre Einschränkung beeinträchtigt den Sportler in seinem Alltag und seiner sportlichen Leistungsfähigkeit, stark. Sowohl durch akute Traumen als auch durch chronisch–degenerative Veränderungen der Muskeln und Gelenke kann es zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und der Beweglichkeit kommen.

Durch die osteopathische Behandlung verkürzen sich Regenerationszeiten und die Leistungsfähigkeit wird gesteigert. Für einen Sportler ist es entscheidend Ausfallzeiten zu minimieren, denn desto mehr und intensiver kann er trainieren.

Der Athlet profitiert bei einer osteopathischen Behandlung davon, dass nicht nur muskuläre und gelenkumgebende Strukturen behandelt, sondern alle Organsysteme und Gewebsschichten untersucht und normalisiert werden können.

Ein weiterer Vorteil der osteopathischen Behandlung ist, dass nicht erst dann behandelt wird wenn die Schäden da sind, sondern eben schon im Vorfeld. Eine Früherkennung zeigt auf, wenn bestimmte Regionen Funktionsstörungen aufweisen oder eine schlechte Versorgung bzw. Entsorgung besteht. So lassen sich muskuläre Verletzungen nahezu komplett verhindern, wenn frühzeitig bestehende Blockaden gelöst und in ihrer Gleitfähigkeit behinderte Nerven mobilisiert werden.

Beispiele:

Beschwerden im Bereich der Schulter und des Ellenbogengelenks finden sich insbesondere bei Überkopfsportlern und bei Rückschlagsportarten (Handball, Speerwerfen, Baseball, Tennis, Golf etc.). Hierbei handelt es sich weniger um Folgen akuter Traumata durch Sturz oder Gegnereinwirkung, sondern wesentlich häufiger um Auswirkungen wiederholter Mikrotraumata auf Kapseln, Bänder oder Sehnen durch extreme Ausholbewegungen bzw. Beschleunigungsvorgänge.

Beim Ausholen zum Wurf oder Schlag wird durch die wiederholten und forcierten Schulter-Arm-Bewegungen in Abspreizung und Außendrehung besonders die vordere Kapsel mit den bandförmigen Stabilisatoren belastet.

Bei den Fehlbelastungsfolgen des Wurfsportlers am Ellenbogen steht die Epicondylitis humeri ulnaris (sog. Werfer- oder Golferellenbogen) im Vordergrund. Der Begriff Epicondylitis umfasst akute und chronische Reizerscheinungen an den am Oberarmknochen ansetzenden Muskelursprüngen. Die Entstehung basiert auf einem Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Sehnenursprungs der am Epicondylus ansetzenden Muskeln. Beim „Werferellenbogen“ ist der Sehnenansatz der Handgelenksbeuger betroffen. Diese Ansatztendinosen treten am häufigsten beim Golfer, Baseballspieler, beim Speer-, Hammer- oder Diskuswerfer, beim Volleyballspieler oder beim Handballspieler auf.

Die Betroffenen haben zunehmende Beschwerden beim Ausüben von alltäglichen oder sportlichen Tätigkeiten, so dass bereits das Anheben leichter Gegenstände nicht mehr schmerzfrei durchgeführt werden kann. Häufig kommt es zu einer Ausstrahlung der Schmerzen in die Unterarmmuskulatur. Der innere Knochenhöcker am Ellenbogen ist deutlich druck- und berührungsempfindlich.

Schmerzen im Bereich des Ellenbogens beim Anheben einer Kaffeetasse, beim Öffnen eines Schraubverschlusses oder beim Auswringen eines Tuches sind häufig die ersten Symptome einer oft chronisch verlaufenden Erkrankung. Die Diagnose Tennisellenbogen führt zu Verwunderung, da die meisten Betroffenen nie einen Tennisschläger in der Hand gehalten haben.

Beim Sport kommt es besonders bei Rückhandschlägen im Tennis oder beim Squash durch den Aufprall des Balles bei exzentrischer Dehnung der angespannten Muskulatur zu Impulsbelastungen der Handgelenksstrecker. Mögliche Einflussfaktoren können in falscher Griff- und Schlägerhaltung liegen. Außerdem spielen bei diesen Sportlern ein falscher Griff oder eine falsche Bespannung des Schlägers oft eine Rolle.

Beim Tennisellenbogen liegen meist eine entzündliche, selten eine abnutzungsbedingte Veränderung der Muskelansatzstellen im Bereich des Ellenbogens vor. Am äußeren Ellenbogen haben verschiedene Muskelgruppen des Armes, der Hand und der Finger ihren Ursprung. Es sind insbesondere die Strecker der Hand und der Finger sowie die außendrehenden Muskeln.

Der Tennisellenbogen ist eine der häufigsten Erkrankungen auf orthopädischem Fachgebiet. Auslöser für die Schmerzen sind überwiegend Entzündungsveränderungen am Sehnen-Knochen-Übergang. Ursachen sind chronisch mechanische Überbeanspruchungen.

Überkopf- und Wurfsportarten gehen aufgrund des spezifischen Bewegungsmusters mit einer hohen Belastung des Schultergelenks einher. Die damit verbundenen Veränderungen können neben den kurzfristigen Folgen im Sinne der akuten Verletzung auch zu strukturellen Spätschäden führen. Überkopf- und Wurfsportarten (wie z.B. Speerwurf, Baseball, Tennis etc.) sind mit einer hohen Belastung des Schultergelenks assoziiert. Degenerative Überlastungsschäden des Schultergelenks sind häufig die Folge. Biomechanische Arbeiten zeigen, dass eine effektive Wurftechnik zwangsläufig die extreme Abspreiz – und Aussenrotationsbewegung des Schultergelenks erfordert. Hierbei entstehen eine Überdehnung der vorderen Gelenkkapsel und eine gleichzeitige Verkürzung der hinteren Kapselstrukturen . In der Folge können Schulterinstabilität, Teilrisse in der Rotatorenmanchette oder eine Ablösung der Bizepssehne entstehen. Häufiger sind jedoch chronische Instabilitäten mit Teilausrenkungen infolge jahre- oder jahrezehntelangem Werfens. Durch ständige Mikrotraumen überdehnt die Schultergelenkkapsel und die Stabilisatoren sowie die Knorpellippe am Pfannenrand verschleißen. Folge sind Schnapphänomene in der Schulter, die meistens mit Schmerzen einhergehen. Durch einseitige Trainings- und Wettkampfbelastungen ergibt sich zusätzlich ein Ungleichgewicht der muskulären Kräftepaare. Dies zeigt sich v.a. im Kraftverhältnis der Aussen- und Innenrotatoren des Schultergelenks (Rotatorenmanschette). Zusätzlich entstehen aufgrund der Verbindung des Schultergürtels mit dem Rumpf Störungen in der Koordination der skapulothorakalen Muskelgruppen (Rhomboiden, M. trapezius pars descendens und ascendens, M. serratus anterior). Diese strukturellen und funktionellen Veränderungen führen durch Störung der physiologischen Bewegungskoordination zu einem spezifischen Pathologiemuster, welches zusammenfassend als „Werferschulter“ bezeichnet werden kann.

Osteopatischer Therapieansatz bei Werfern:

Wichtig ist die frühzeitige konsequente Behandlung, da die Gefahr besteht, dass die Entzündung chronisch wird oder wiederholt auftritt.

Gründe für eine Chronifizierung: Eine der häufigsten Ursachen für eine Chronifizierung eines Werferellbogens oder Werferschulter und somit für die Wirkungslosigkeit der lokalen Therapiemaßnahmen, ist eine Blockierung der Halswirbelsäule in den Segmenten der Halswirbelkörper 5 bis 7. Diese führt zu einem Dauerreizzustand auf Rückenmarksebene der betroffenen Spinalsegmente und verhindert somit eine Ausheilung der Sehnen-Kapsel-Reizung . Ein Durchbruch in der Therapie des chronischen Geschehens kann somit erst durch osteopathische Lösung der Halswirbelsäulenblockierung erreicht werden. Weniger häufig, aber auch nicht selten, ist das Zugrundeliegen von Faszienverklebungen in Lungen-und Herzbereich, welche auf Rückenmarksebene eine Grundlage für eine erhöhte Spannung der Muskel-Kapsel-Sehnen-Strukturen des Armes schafft. Weiterhin muss auch die erste Rippe mitbehandelt werden, da direkt oberhalb der ersten Rippe alle Spinalnerven und alle Blutgefäße des Armes darüber ziehen. Ein Hochstand der ersten Rippe kann zu nervalen Engpässen und einer Einschränkung der Durchblutung führen, die einer Chronifizierung Ellenbogen und Schulterbeschwerden Vorschub leisten.